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Der Neumarkt in Elberfeld den 40ern

Auf dem Platz zwischen Verwaltungshaus, Kaufhof, Hertie und dem Bankhaus von-der-Heydt Kersten & Söhne findet seit 1809 tagtäglich Markt statt. Bis zum Jahre 1802 war dieser Ort allerdings Friedhof der Reformierten Gemeinde Elberfelds gewesen. Im Zuge der Stadterweiterung wurden die Grabsteine dann entfernt und das Gelände eingeebnet. Auf dem Neumarkt befindet sich auch der sogenannte Jubiläumsbrunnen.

Durch den Rathausneubau wurde der Neumarkt zum städtischen Hauptplatz, der alle übrigen an Wichtigkeit in den Schatten stellte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur sonntags, wenn die Stände abgebaut und die Buden geschlossen sind, zeugt das sonst so lebhafte und hektische Areal von einer ungewohnten einsamen Leere, während die Wuppertaler auf anderen Plätzen ihrer Stadt gemütlich im Biergarten oder Eiscafé sitzen.

Der Kaufhof

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Der Kaufhof am Neumarkt 1912

Vor über 80 Jahren eröffnete die Firma Tietz ihren Monumentalbau am Elberfelder Neumarkt, den Kaufhof. Am Vormittag des 24. April 1912 fand im Erfrischungsraum des großen Geschäftshauses nach vorangegangener Besichtigung eine kleine Feier statt, zu der man den Elberfelder Oberbürgermeister Funck, mehrere Beigeordnete und Stadtverordnete mit ihren Damen sowie die Presse gebeten hatte.

Ausführlich berichten die Zeitungen denn auch über die „gewaltigen Dimensionen“ des von dem Düsseldorfer Architekten Prof. Wilhelm Kreis errichteten Prachtgebäudes, über die Menge des verbauten Materials, über die im Vestibül angebrachten zwölf Tierkreisbilder, über Lebensmittelabteilung und Putzsalon, den Kunstsalon, die Teppichsäle und die übrigen Verkaufsräume des pompösen Geschäftspalastes, besonders aber über den eleganten, schmucken Erfrischungsraum, „allwo der Besucher nach den Strapazen des Wanderns und Schauens leibliche Labung und angenehmen Aufenthalt finden kann“.

„Die Barmer-Zeitung“ rühmte dankbar das „reichhaltige lukullische Büfett und die entsprechenden Getränke“, mit denen sie dort bewirtet worden waren, konnte sich aber nicht verkneifen, zu monieren, daß man über die fünf überlebensgroßen Männer und Frauengestalten über dem Haupteingang allerdings verschiedener Meinung sein kann. 885 Verkäuferrinnen und Angestellte waren damals zur Zeit der Eröffnung am Neumarkt im Kaufhof beschäftigt eine Zahl, die mehr als alles andere über den Umfang dieses großartigen Warenhauses aussagt.

Während die Natursteinfassade an der Neumarktstrasse weitgehend erhalten geblieben ist, wurde die exzellente Eingangsfassade mit dem Charakteristischen Kreisfenster unterhalb des Daches in den 60er Jahren durch eine hässliche mit Glas und Kunststoff verkleideten Stahlblende überdeckt. Im Herbst 1999 wurde die Fassade erneut geändert, das Kaufhaus nennt sich nun „Galeria Kaufhof“.

Der Jubiläumsbrunnen

Muß Neptun geschlechtslos sein? Oder darf er das Zeichen seiner Männlichkeit auf dem Neumarkt zur Schau stellen? Heiß wurde diese Frage im Jahre 1901 diskutiert, als in der Elberfelder Innenstadt der Jubiläumsbrunnen entstand. Gestiftet worden war der Brunnen sechs Jahre vorher vom Elberfelder Verschönerungsverein, der damals sein 25 jähriges Jubiläum feierte. Dem Trienter Neptunbrunnen nachgebildet, zeigte auch das Werk des Düsseldorfer Bildhauers Leo Müsch den Herrn der Meere unverhüllt. Das sollte für viele Elberfelder nicht sein.

Und über Nacht wurden zwei Eckfiguren plötzlich in geschlechtlose Wesen umgewandelt… Liberale und Verschönerungsverein protestierten, und Walter Bloem schrieb: „Der, was die Welt erschafft und hält, abgehackt und feig in die Ecke stellt“! Worauf ihm der Pastor, der ihn getraut hatte, vorschlug, aus der Kirche auszutreten. Am 1. Oktober 1901 kam die Neptun-Angelegenheit vor die Stadtverordnetenversammlung. Neptun sollte wieder ein echter Mann werden, wurde dort beschlossen. Am 20. Oktober aber protestierte das Zentrum gegen die Enthüllung in einer Versammlung, aus der die Damen hinauskomplimentiert wurden, „mit Rücksicht darauf, daß auch delikate Dinge zur Sprache kommen würden“. Tenor der Proteste: Die Betonung des Männlichen hätte minder stark ausfallen können!

Außer der katholischen protestierte nun auch die evangelische Kirche gegen das „Denkmal der Schande“. Der Brunnenskandal wurde Stadtgespräch, und manchmal umstanden Tausende von Menschen den anstößigen Brunnen. Bis sich dann am 29. Oktober die Stadtverordneten zum zweitenmal mit dem Thema befassten. Zentrum, katholische Kirche, lutherische und reformierte Gemeinde hatten Eingaben gesandt. Schließlich erklärte sich der Verschönerungsverein unter seinem Vorsitzenden Baron August von der Heydt bereit, die Markierung der anstößigen Körperteile durch Akanthusblätter zu ersetzen. Die Stadtverordneten retteten sich mit der Überweisung der Angelegenheit an eine Kommission. Dabei blieb es. Die abgeschlagenen Symbole für Neptuns Männlichkeit aber wurden später wieder repariert, die Narben sieht man heute noch.

Elberfelder Verwaltungshaus

Das jetzige Verwaltungshaus war bis zur kommunalen Neugliederung 1929 Rathaus von Elberfeld und wurde am 24. Oktober 1900 im Rahmen des Kaiserbesuches eingeweiht. Der kolossale Bau aus gelben Quadersteinen weist Formen deutscher Spätgotik mit architektonischen Anklängen an die Renaissance auf. Sein imposanter Turm überragt mit seinen 79 Metern im Stadtbild alle übrigen Türme.

In diesem Gebäude saß der Oberbürgermeister, hier war der Sitzungssaal des Gewerbegerichts, der Stadtverordnetensitzungssaal, der Trausaal, der Kaisersaal und hier befand sich auch die Stadthauptkasse. Heute hat das Gebäude viel von seiner damaligen Bedeutung verloren.

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Das Elberfelder Verwaltungshaus

Es ist nun Sitz der Bezirksvertretung und Verwaltungsstelle der Stadtbezirke Elberfeld, Elberfeld – West und Uellendahl – Katernberg. Eine freie Sicht auf das Wahrzeichen verwehren heute moderne Kaufhaus-, Bank- und Geschäftsbauten.