Im vierten Stock, ganz hinten, wohin kaum ein Mensch kommt, wohnt die Erinnerung, in Stein gehauen: „Gesetzt beim Richtfest am 15. Oktober 1937“. Zweieinviertel Jahre später wurde das Polizeipräsidium an der damaligen Adolf-Hitler-Straße bezogen und seiner Bestimmung übergeben. „Schönheit der Arbeit“, schrieb der NS-Polizeipräsident Hinkler damals in seinem Amtsblatt, „soll bei uns kein leerer Begriff sein. Sie gehört zu uns mehr, als mancher glaubt. Die neuen schönen und zweckmäßig ausgestatteten Arbeitsräume verpflichten“.

Das Nazi-Symbol-das-Hakenkreuz unter dem Richtstein ist inzwischen verschwunden. Zwei wappenartige Gebilde und Sprüche, von Tradition und Deutschtum umrahmen die kahle Stelle, Bis zum Bau des „Hauses der tausend Zimmer“ war es ein langer Weg. Seit 1852, als die Verwaltung sämtlicher Polizeiangelegenheiten der Gemeinde Barmen und Elberfeld an die gemeinschaftliche Königliche Polizeidirektion übertragen wurde, war die Polizei jahrelang in Schulen, Baracken, Tanzsälen, Wirtschaften und sogar einer Kegelbahn untergebracht gewesen.

Nach der Verstaatlichung der kommunalen Polizei richtete man im August 1922 das Polizeipräsidium Elberfeld-Barmen mit Sitz in Elberfeld ein. Kurz vor der Städtevereinigung bot Barmen dann das Grundstück an der Allee an. Im Mai 1936 begannen die Ausschachtungsarbeiten. Regierungsbaurat Schäfer plante und baute das riesige Polizeibehördenhaus mit 400 Dienst-, einigen hundert anderen Räumen und 74, für damalige Begriffe hochmodernen, Gefängniszellen. Es war der größte behördliche Neubau in Wuppertal nach dem 1. Weltkrieg.

Vor Kriegsende sorgte die Gestapo dafür, dass die Zellen nicht leer blieben. Heute „beherbergen“ sie Betrunkene oder Festgenommene, die auf den Untersuchungsrichter warten. Ein paar Fensterscheiben mit dem Reichsadler im Treppenhaus erinnern noch an jene Zeit, Das Hakenkreuz ist überall sorgfältig ausgemerzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus dem Polizeipräsidium vorübergehend das „Neue Rathaus“. Über dem Zimmer 200, steht „Royal Pioneer Corps – 6. DET. 43 P.C.L.U.“. Darunter das Regimentszeichen mit dem lateinischen Wort „Labor omnia vincit“ – Arbeit besiegt alle.