Karl B., einer der ersten Schaffner der weltberühmten Wuppertaler Schwebebahn, hatte schon 1901 seine Fahrerprüfung abgelegt. Über 32 Jahre war er auf dem Führerstand bis er 1933 in Pension ging.

„Use Kaal”, wie er unter seinen Freunden liebevoll genannt wurde, war ein immer freundlicher und allseits beliebter Kumpel, aber auch sonst den Freuden des Lebens bestimmt nicht abhold. An einem schönen Frühlingsmorgen anno 1911 war er mit seiner Schwebebahn auf der Strecke. Vom Vorabend noch hatte Karl anscheinend einige „Promillkes drin” und besonders übermütig machte er mit den Fahrgästen seine Witzchen. Die bogen sich vor Lachen.wuppertal schwebebebahn 02 40er

Ein paar „fiene” Herren, die am Zoo eingestiegen waren, fanden Karls Spagitzchen aber anscheinend gar nicht so lustig. Einer von ihnen rief ganz barsch durch den Wagen: „Fahrer, stecken Sie Ihre Nase nach vorn, und konzentrieren sich auf die Strecke, sonst zeige ich Sie an.”

„Wat”, rief Karl zurück, „anzeigen wollen chet meck. Anne Varresbeck es för öngk Endstatzijuan!” So wurde es auch eingehalten. Kaum hatte Karl in dem betreffenden Bahnhof seinen „Krengel op Null” gedreht und angehalten, mussten die „Fienen” aussteigen, er wäre sonst nicht weitergefahren.

Im Überschwang seiner Befehlsgewalt, die er den anderen Fahrgästen nun eindeutig bewiesen hatte, bekam Karl am Döppersberg den „totalen Rappel”. Als die Bahn da zum Stand kam, stieg er als Erster aus und rief über den Bahnsteig: „Alles uutstiegen, nömmes mer entstiegen. Da Zug endet hie!”

Er nahm seinen Vierkantschlüssel, verriegelte die Türen der Schwebebahn und rief laut, indem er dem Ausgang zustrebte: „De liebe Jung geht getz mal inne Stadt!” (Was ihm als damalig ortsansässiger Vohwinkeler eigentlich nicht zu verdenken war.)

Das „autoritäre” Verhalten blieb natürlich nicht ohne Folgen. Nach einem gewaltigen „Aanschiß”, bei dem die Scheiben bebten, wurde Karl straf versetzt. Er musste vier Wochen als „Bessemschwenker” im Bahnhof Bruch die Bahnsteige fegen. Das war die Quittung dafür, dass er geglaubt hatte, er wäre der „Owerbefehlshaber” von der Schwebebahn.